Politische Gefangene

Inhaltsverzeichnis:

- Ruth Eleonora López

- Alejandro Henríquez / José Ángel Pérez == FREIGELASSEN AM 17. DEZEMBER 2025! Details siehe unten

- Stellungnahmen von Amnesty International

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RUTH ELEONORA LÓPEZ

Ruth Eleonora López Alfaro ist Anwältin und Menschenrechtsverteidigerin. Sie ist für ihren Kampf gegen Korruption und die Förderung institutioneller Transparenz bekannt. Seit 2021 ist sie als Direktorin der Abteilung für Korruptionsbekämpfung und Justiz bei der Organisation Cristosal tätig, wo sie Ermittlungen zu Korruption und Menschenrechtsverletzungen leitet. Im Dezember 2024 nahm die BBC sie in ihre Liste der 100 inspirierendsten und einflussreichsten Frauen der Welt auf https://www.bbc.co.uk/news/resources/idt-4f79d09b-655a-42f8-82b4-9b2ecebab611#section_2. Weitere Informationen über ihren Werdegang finden sich in der Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Ruth_Eleonora_L%C3%B3pez

Ruth López war in den letzten Jahren eine zentrale Figur in der Verteidigung der Menschenrechte in El Salvador. Als Leiterin der Anti-Korruptions-Einheit von Cristosal hat sie öffentlich rückschrittliche Gesetzesreformen, Verstöße gegen den Grundsatz eines ordnungsgemäßen Verfahrens und mutmaßliche Korruptionshandlungen von Beamten der Regierung von Präsident Bukele angeprangert. Von ihrer Position bei Cristosal aus leitete Ruth López eine Reihe von Ermittlungen, die zu mindestens 15 formellen Korruptionsanzeigen gegen die derzeitige Regierung führten (https://www.laprensagrafica.com/elsalvador/Ruth-Lopez-y-Cristosal-presentaron-al-menos-15-denuncias-por-actos-de-corrupcion-e-ilegales-del-actual-gobierno-desde-2021-20250519-0056.html). Dazu gehörten Vorwürfe des Missbrauchs öffentlicher Gelder für die unrechtmäßige Überwachung von Journalist*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen sowie Anzeichen von Korruption bei der Vergabe öffentlicher Aufträge während der Covid-19-Pandemie.

Ruth López, Rechtsanwältin, politische Gefangene in El Salvador

Am 18. Mai 2025 wurde Ruth López spät abends in ihrem Haus in San Salvador von Beamten der Nationalen Zivilpolizei aufgrund eines Haftbefehles der Generalstaatsanwaltschaft festgenommen. Die Vorwürfe lauteten zunächst auf Geldwäsche, danach auf illegitime Bereicherung bzw. Veruntreuung im Rahmen ihrer Tätigkeit als Beraterin des Obersten Wahlgerichts der Regierung im Jahr 2016, ohne dass Beweise für die eine oder andere Anklage vorgelegt wurden.

El Salvador: Internationale Organisationen verurteilen die Verhaftung der Menschenrechtsverteidigerin Ruth López
AI-Index: AMR 29/9407/2025, 19. Mai 2025

Link zum Original (englisch) in der internationalen Website von Amnesty International

Nach ihrer Festnahme wurde Ruth López mehr als 40 Stunden ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten, während ihrer Familie und ihrem Anwaltsteam ihr Aufenthaltsort unbekannt war. Diese Situation wurde von Cristosal als kurzfristiges Verschwindenlassen angeprangert, insbesondere mangelnde Transparenz und Verletzung von Verfahrensgarantien.
Sie befand sich in vorläufiger Haft in der Transitabteilung der Nationalen Zivilpolizei in San Salvador. Nach 15 Tagen reichte die Generalstaatsanwaltschaft Anklage ein und eine gerichtliche Anhörung wurde kurzfristig anberaumt. Diese fand am 04. Juni 2025 unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ruth López nutzte die Zeit vor und nach der Anhörung, um öffentlich ihre Forderung nach einem fairen Prozess mitzuteilen – dazu gibt es zahlreiche Presseberichte, z.B. https://www.youtube.com/watch?v=uxqzeWeJmSg.  

Am 5. Juni 2025 ordnete der Richter eine sechsmonatige Untersuchungshaft an, während die Ermittlungen fortgesetzt werden sollen. Ihre Anwälte legten Berufung ein, doch die Berufungskammer wies den Antrag zurück und bestätigte die Haftmaßnahme. Unabhängig davon hat die Verfassungskammer des Obersten Gerichtshofs eine Habeas-Corpus-Klage wegen Verfahrensverzögerungen und Verstößen gegen den Grundsatz eines ordnungsgemäßen Verfahrens zugelassen; eine Entscheidung über diese Klage steht noch aus. In der Zwischenzeit muss die Staatsanwaltschaft ihre vollständige Akte für die bevorstehende Verhandlungsphase zusammenstellen.

Am 4. Juli 2025 wurde Ruth López ohne vorherige Information aus dem Polizeigewahrsam in die Haftanstalt Izalco verlegt (https://www.diariocolatino.com/denuncian-traslado-irregular-e-incomunicacion-de-ruth-lopez/), obwohl es eine richterliche Anordnung gab, sie aus medizinischen Gründen in der Polizeistation zu behalten. Weder Familie noch Rechtsanwälte waren informiert worden. Sie erfuhren davon, als sie sie besuchen und ihre Medikamente bringen wollten und sie nicht mehr antrafen. Seitdem haben sie keinen persönlichen Kontakt mehr.

Nach Angaben der Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen, Margret Satterthwaite, hat der Oberste Gerichtshof am 21. Juli 2025 mit der Überprüfung der Vermögensverhältnisse begonnen, die Ruth López vor neun Jahren angegeben hat https://www.elsalvador.com/h-noticias/h-nacional/probidad-inicio-revision-patrimonial-ruth-lopez-despues-de-captura/1233969/2025/

Die Menschenrechtsorganisation Cristosal, bei der Ruth López arbeitet, sah sich im Juli aufgrund von massiver Bedrohung ihrer Mitarbeitenden gezwungen, das Büro in El Salvador zu schließen und nach Honduras zu gehen https://cristosal.org/EN/2025/07/17/cristosal-suspends-operations-in-el-salvador-amid-escalating-repression/?blm_aid=0 .

Am 28. Juli 2025 erhielt Ruth López in Anerkennung ihrer Verdienste den Menschenrechtspreis der American Bar Association https://www.americanbar.org/news/abanews/aba-news-archives/2025/07/ruth-lopez-awarded-intl-human-rights-award/?blm_aid=0 .

Am 23. September 2025 ordnet die Interamerikanische Menschenrechtskommission Schutzmaßnahmen für Ruth López an:
https://www.oas.org/es/CIDH/jsForm/?File=/es/cidh/prensa/comunicados/2025/193.asp&utm_content=country-slv&utm_term=class-mc

Die Inhaftierung von Ruth López stellt eine bisher nicht gekannte Eskalation der staatlichen Repression dar, Kritiker*innen der Regierung zum Schweigen zu bringen. Amnesty International hat in den vergangenen Jahren vielfach auf die zunehmende Repression und Verfolgung von Mernschenrechtsverteidiger*innen und Kritiker*innen der Regierung hingewiesen.

Die Forderung nach sofortiger und bedingungsloser Freilassung wird unterstützt:
Interamerikanische Menschenrechtskommission https://x.com/CIDH/status/1924580463936442836
nationale Organisationen https://x.com/idhuca/status/1925363302541971750
internationale Organisationen https://www.amnesty.org/en/documents/amr29/9407/2025/en/
Mitglieder des US-Kongresses https://www.laprensagrafica.com/elsalvador/Congresistas-democratas-denuncian-escalada-represiva-del-GOES-por-detencion-de-Ruth-Lopez-20250519-0046.html
UN-Sonderberichterstatterin für die Unabhängigkeit von Richtern und Rechtsanwälten Mary Lawlor https://x.com/SRjudgeslawyers/status/1950599432757715294

Am 13. November 2025 in London wurde Ruth López der diesjährige Magnitzky-Menschenrechtspreis als herausragende Menschenrechtsanwältin verliehen.
Ruth López Honored with 2025 Magnitsky Award
El Salvador Now, 11. November 2025
Ausführliches Interview mit dem Ehemann von Ruth López: "El régimen sintió que tenía que callarla": la denuncia contra Bukele del esposo de Ruth López, la abogada que lleva meses presa en El Salvador. BBC News Mundo, 18. November 2025

Ruth López sowie Alejandro Henríquez und José Ángel Pérez haben im November den Preis für das Recht, Rechte zu verteidigen (Premio por el Derecho a Defender Derechos) erhalten, der von der salvadorianischen Organisation Mesa por el Derecho a Defender Derechos, der französischen Botschaft in El Salvador, der Fundación Acceso (zentralamerikanische Menschenrechtsorganisation), der Weltorganisation gegen Folter (Organización Mundial contra la Tortura - OMCT) und der Organisation Protección Internacional verliehen wird:
Entregan premios a varias personas defensoras de los derechos humanos
La Prensa Gráfica, 14. November 2025

Die Zeitschrift El Faro erklärt Ruth López zur Frau des Monats Dezember 2025: Ruth López, rehén de la dictadura, 1.Dezember 2025

Offener Brief an die Ombudsfrau für Menschenrechte, Frau Raquel Caballero de Guevara
AI-Index AMR 29/0541/2025, 3. Dezember 2025
Link zum Original (Spanisch) in der internationalen Website von Amnesty International

Am 4. Dezember 2025 verlängerte das Vierte Instruktionsgericht von San Salvador die Untersuchungshaft für Ruth López um weitere sechs Monate. Cristosal veröffentlicht dazu folgende Erklärung: https://x.com/Cristosal/status/1997104487161618624/photo/1
Auch die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechtsverteidiger*innen Mary Lawlor äußert sich sehr besorgt: https://x.com/MaryLawlorhrds/status/1998384030090174919

 

Bitte unterstützen Sie die Forderung nach sofortiger und bedingungsloser Freilassung mit dem

Herunterladen, Unterzeichnen und Zurückschicken dieser Petition!

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ALEJANDRO HENRÍQUEZ und JOSÉ ÁNGEL PÉREZ

Wir freuen uns sehr über die Freilassung am 17. Dezember 2025!

An diesem Tag fand eine Anhörung vor dem Centro Judicial Integrado de Santa Tecla statt. Der Richter machte es zur Bedingung für eine sofortige Freilassung, dass die beiden Männer die Anklage akzeptieren. Danach wurden sie - in einem mit der Generalstaatsanwaltschaft abgesprochenen abgekürzten Verfahren - sie schuldig gesprochen und erhielten zwei Jahre wegen "gewaltsamem Widerstand" (resistencia agresiva) und ein Jahr für "Störung der öffentlichen Ordnung" (desórdenes públicos). Die Haftstrafe wurde unter der Auflage ausgesetzt, dass sie in den kommenden drei Jahren nicht an Demonstrationen oder anderen Protestaktionen teilnehmen. Sie müssen sich beim Gericht melden, wenn sie das Land verlassen wollen, und andere Auflagen.
Erfreulicherweise wurden sie auch unmittelbar nach dem Richterspruch auf freien Fuß gesetzt und konnten sich mit ihren Familien treffen.

Lesen Sie hier die Pressemitteilung von Amnesty International:
El Salvador: Alejandro und José Ángel werden aus dem Gefängnis entlassen
17. Dezember 2025
Link zum Original (englisch / spanisch) in der internationalen Website von Amnesty International

In einer Stellungnahme auf X sagt Amnesty International am 17.12.2025:
"Wir freuen uns, dass Alejandro Henríquez und José Ángel Pérez aus dem Gefängnis entlassen wurden. In El Salvador werden andere Menschenrechtsverteidiger*innen und kritische Stimmen – wie Ruth López, Fidel Zavala und Enrique Anaya – weiterhin wegen der Ausübung ihrer Rechte kriminalisiert. Wir fordern ein Ende der willkürlichen Verfahren und die Freilassung derjenigen, die heute nur deshalb inhaftiert sind, weil sie friedlich ihre Stimme erhoben haben. Die Verteidigung von Rechten ist kein Verbrechen."

Vorgeschichte:

Alejandro Antonio Henríquez, 29 Jahre alt, ist Rechtsanwalt und arbeitet seit 2018 für das Centro de Estudios Aplicados en Ecología y Sustentabilidad Ambiental (ECOS El Salvador) – eine Organisation, die sich der angewandten Forschung im Bereich Ökologie und der Förderung ökologischer Nachhaltigkeit widmet. Er ist Rechtsbeistand für Gemeinden, die mit Landbesitzkonflikten konfrontiert sind, und setzt sich für die Rechte der ländlichen und marginalisierten Bevölkerung ein. Außerdem ist er Sprecher des Foro del Agua, einer 2006 gegründeten zivilgesellschaftlichen Plattform, die in 8 der 14 Departamentos El Salvadors tätig ist und sich für Wasser als öffentliches Gut einsetzt.
Im Jahr 2020 war er Mitbegründer von Reverdes, einer politischen Bildungsbewegung, die sich auf Basisorganisationen und Umweltgerechtigkeit konzentriert. Weitere Informationen über seinen beruflichen Werdegang: https://protect-lawyers.org/de/case/alejandro-henriquez/
Verhaftung:
Am 13. Mai 2025 wurde Alejandro Henríquez festgenommen, weil er an einer Demonstration teilgenommen hatte, bei der rund 300 Familien der Kooperative El Bosque, Santa Tecla, gegen ihre Zwangsräumung demonstrierten. Diese friedliche Demonstration in der Nähe des Wohnsitzes von Präsident Bukele wurde von der Polizei gewaltsam aufgelöst. Darüber gibt es zahlreiche Videos und Zeugenaussagen in den Sozialen Medien, z.B. diese https://x.com/ysuca91siete/status/1927917594226368685
Laut der Aussage von Carlos Flores, dem Geschäftsführer von ECOS, wurde Alejandro Henríquez vor seinem Büro im Rahmen einer Operation von uniformierten und zivilen Polizeibeamten festgenommen. Er wurde mit Handschellen gefesselt und ohne richterlichen Haftbefehl zur Zentralen Ermittlungsbehörde (DCI) gebracht.
Obwohl sein Aufenthaltsort nicht vollständig geheim gehalten wurde, durfte er mehrere Tage nach seiner Festnahme keinen regelmäßigen Kontakt zu seiner Familie oder seinem Rechtsbeistand aufnehmen. Dies kommt einer Form der Isolationshaft gleich, die mit den in Artikel 7.4 der Amerikanischen Menschenrechtskonvention und Artikel 9.3 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte festgelegten Garantien unvereinbar ist. Zwar sind nicht alle Voraussetzungen erfüllt, um seinen Fall als Verschleppung im Sinne von Artikel 2 des Internationalen Übereinkommens zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen zu qualifizieren, doch weisen die ursprünglichen Umstände seiner Inhaftierung aufgrund fehlender Verfahrensgarantien und einer wirksamen gerichtlichen Kontrolle Risikofaktoren in diese Richtung auf.

José Ángel Pérez, 55 Jahre alt, ist Pastor der Elim-Kirche und von Beruf Tagelöhner. Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung als Gemeindevorsteher ist er eine Schlüsselfigur bei der Organisation und Verteidigung der Rechte der Bewohner der Gemeinde El Bosque. Seit Juli 2024 ist er Präsident der Genossenschaft El Bosque. In dieser Funktion setzt er sich aktiv für eine gerechte Lösung der seit langem bestehenden Landbesitzprobleme der Gemeinde ein. In diesem Zusammenhang knüpfte er Arbeitsbeziehungen zu Organisationen wie ECOS El Salvador, die sich der angewandten Forschung in den Bereichen Ökologie und ökologische Nachhaltigkeit widmet, und dem Foro del Agua, einer zivilgesellschaftlichen Plattform, die in 8 der 14 Departements El Salvadors vertreten ist und für ihr Engagement für das Menschenrecht auf Wasser bekannt ist.
Verhaftung:
José Ángel Pérez wurde am 12. Mai 2025 während der friedlichen Demonstration verhaftet, die von der Gemeinde El Bosque organisiert worden war, um sich gegen eine Zwangsräumung zu wehren. Laut Aussagen, die in einem Interview mit Carlos Flores, dem Geschäftsführer von ECOS und Mitglied des Foro del Agua, sowie dem Verteidiger von José Ángel Pérez gesammelt wurden, und basierend auf Bildern und Videos aus den Medien wurde er gewaltsam festgenommen, als die UMO (Mobile Anti-Riot Unit) und die Militärpolizei die friedliche Demonstration gewaltsam auflösten.
Er wurde mit Handschellen gefesselt und ohne richterlichen Haftbefehl zur Zentralen Ermittlungsbehörde (DCI) in der Gemeinde Santa Tecla gebracht. Während der Polizeihaft wurde José Ángel Pérez von nationalen Organisationen sowie von seiner Kirche und Netzwerken zum Schutz des Territoriums und der Umwelt unterstützt, die alle seine Inhaftierung öffentlich als eine Form der Kriminalisierung friedlicher Proteste verurteilten. Darüber hinaus haben nationale Medien über die Haftbedingungen, seine erste Anhörung und die unverhältnismäßige Repression berichtet, von der die Gemeinde El Bosque während der Demonstration am 12. Mai 2025 betroffen war.

GERICHTSVERFAHREN

Die Behörden klagten beide zusammen wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Widerstand gegen die Festnahme an. Nach einer gerichtlichen Anhörung am 30. Mai 2025 wurden sie für sechs Monate in Untersuchungshaft genommen. Das Erste Friedensgericht von Santa Tecla urteilte unter Berufung auf Hinweise auf mutmaßliche Straftaten und angeblichem Fehlen ausreichender persönlicher Bindungen zur Gemeinde. Die von der Verteidigung dokumentierten Belege für die willkürlichen Verhaftungen fanden kein Gehör.
Alejandro Henríquez und José Ángel Pérez wurden am 04. Juni 2025 in die Strafvollzugsanstalt Centro Penal La Esperanza (Mariona) verlegt, wo sie in Isolationshaft gehalten werden. Am 11. September 2025 ordnete das Zweite Friedensgericht von Santa Tecla die Verlängerung der Untersuchungshaft für beide um drei Monate, also bis Dezember 2025, an.

KONTEXT DER VERHAFTUNGEN

Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, veröffentlichte nach der Festnahme von Alejandro Henríquez und José Ángel Pérez Behauptungen in den sozialen Medien, in denen er die an den Protesten beteiligten Organisationen angriff und ihnen vorwarf, die Bevölkerung zu manipulieren und in betrügerischer Absicht zu handeln. Diese Äußerungen verstärken den Eindruck, dass der salvadorianische Staat eine feindselige Haltung gegenüber denjenigen einnimmt, die sich für die Menschenrechte einsetzen oder die Politik der Regierung kritisieren, was ein tief verwurzeltes Muster der Verfolgung widerspiegelt, das mit den Menschenrechten und Freiheiten unvereinbar ist. Amnesty International hat in den vergangenen Jahren vielfach auf die zunehmende Repression und Verfolgung von Mernschenrechtsverteidiger*innen und Kritiker*innen der Regierung hingewiesen.

Sowohl die Interamerikanische Menschenrechtskommission (IACHR) als auch die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die Lage von Menschenrechtsverteidiger*innen äußerten Besorgnis über ihre Inhaftierung und forderten ihre Freilassung. Sie fügte hinzu:
„Jeder hat das Recht, sich friedlich zu versammeln, und niemand sollte wegen der Verteidigung der Menschenrechte kriminalisiert werden.“
In einer gemeinsamen Erklärung am 22. September 2025 nehmen sie erneut Stellung und fordern die Regierung El Salvadors auf, die Repression gegenüber der Zivilbefölkerung und die Kriminalisierung von friedlichen Protesten zu beenden. https://www.oas.org/es/CIDH/jsForm/?File=/en/iachr/media_center/PReleases/2025/192.asp&utm_term=class-dc

Human Rights Watch hat die Umstände und Zusammenhänge rund um die Demonstration und Verhaftung der beiden Männer analysiert und kommt zu dem Schluss, dass die Vorwürfe gegen sie umbegründet und die Inhaftierung willkürlich ist. https://www.hrw.org/news/2025/09/18/el-salvador-baseless-charges-against-rights-defenders

Am 10. Oktober 2025 kündigt ECOS El Salvador an, seine Arbeit in El Salvador einzustellen. Als Grund wird die zunehmende Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen und das Gesetz über ausländische Agenten genannt. Quelle: https://x.com/arpassv/status/1976686648617521436

Die Menschenrechtsorganisation WOLA setzt sich ebenfalls für rechtliche Garantien und angemessene Verfahren für die beiden Männer ein:
Human rights defenders in El Salvador must have full due process guarantees, WOLA, 20. Oktober 2025

Am 29. Oktober 2025 fand ein gerichtlicher Haftprüfungstermin statt. Leider führte er nicht zu einer Freilassung, wie Amnesty International und zahlreiche andere Organisationen gefordert haben. Die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechtsverteidiger*innen, Mary Lawlor, hat sich im Vorfeld ebenso für die beiden Männer eingesetzt https://x.com/MaryLawlorhrds/status/1983270563796926606 wie auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci https://x.com/DEonHumanRights/status/1983194087680553289.

El Salvador: Politische Gefangene unverzüglich freilassen!
Pressemeldung, 28. Oktober 2025

Link zum Original (englisch) in der internationalen Website von Amnesty International

Nach dem Urteil veröffentlichte Amnesty International folgende Stellungnahme auf X:
„Alejandro Henríquez und José Ángel Pérez bleiben weiterhin zu Unrecht in Haft, nachdem Rechtsmittel abgelehnt wurden, die ihnen erlaubt hätte, ihrem Prozess in Freiheit zu folgen. Die Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidigern ist inakzeptabel. Wir fordern ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.“ https://x.com/AmnistiaOnline/status/1983983173794201849
„Die Verfolgung von Menschenrechtsaktivisten in El Salvador zielt darauf ab, Angst zu schüren und diejenigen zum Schweigen zu bringen, die das Land schützen und Gerechtigkeit fordern. Die Verteidigung von Rechten ist kein Verbrechen. Die Kriminalisierung muss sofort aufhören.“ https://x.com/AmnistiaOnline/status/1983983175765520811
„Alejandro und José Ángel dürfen keinen weiteren Tag im Gefängnis verbringen. Die internationale Gemeinschaft muss ihre Stimme erheben und fordern: Sofortige und bedingungslose Freilassung!“ https://x.com/AmnistiaOnline/status/1983983178009473543

Ruth López sowie Alejandro Henríquez und José Ángel Pérez haben im November den Preis für das Recht, Rechte zu verteidigen (Premio por el Derecho a Defender Derechos) erhalten, der von der salvadorianischen Organisation Mesa por el Derecho a Defender Derechos, der französischen Botschaft in El Salvador, der Fundación Acceso (zentralamerikanische Menschenrechtsorganisation), der Weltorganisation gegen Folter (Organización Mundial contra la Tortura - OMCT) und der Organisation Protección Internacional verliehen wird:
Entregan premios a varias personas defensoras de los derechos humanos
La Prensa Gráfica, 14. November 2025

Am 17. Dezember 2025 wurden sie nach 219 Tagen im Gefängnis freigelassen!

Zur Zeit sind keine weiteren Aktionen erforderlich.
Ganz herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

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STELLUNGNAHMEN VON AMNESTY INTERNATIONAL

El Salvador: Amnesty International erklärt Ruth Eleonora López, Alejandro Henríquez und José Ángel Pérez angesichts der zunehmenden Repression zu politischen Gefangenen
Pressemitteilung, 1. Juli 2025
Link zum Original (englisch / spanisch) in der internationalen Website von Amnesty International

Am 04. August 2025 nimmt die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnes Callamard, Stellung wie folgt:
"In #ElSalvador ist ein alarmierender Anstieg von Schikanen, Verfolgung und Kriminalisierung zu verzeichnen. In diesem Zusammenhang erklären wir Ruth López, Alejandro Henríquez und José Ángel Pérez zu Gewissensgefangenen. Wir fordern ihre sofortige und bedingungslose Freilassung!
Diese Verhaftungen sind keine Einzelfälle. Sie sind Teil eines systematischen Musters der Kriminalisierung, das darauf abzielt, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die Missstände anprangern, Gerechtigkeit fordern und Transparenz in der öffentlichen Verwaltung verlangen."
https://x.com/AmnistiaOnline/status/1952452633333023212

Amnesty International am 06. August 2025:
"Haben Sie schon einmal von „Gewissensgefangenen” gehört? Wir verwenden diesen Begriff, um Menschen zu bezeichnen, die wegen der gewaltfreien Äußerung ihrer Meinung inhaftiert sind.
In #ElSalvador ist dieser Begriff entscheidend, um die derzeitige Unterdrückung zu verstehen.
Scrollen Sie durch diese Bildergalerie, um zu erfahren, was es bedeutet, ein Gewissensgefangener zu sein, warum dieser Begriff verwendet wird und was seine Anerkennung bedeutet. Niemand sollte ins Gefängnis kommen, weil er sich für die Rechte seiner Gemeinschaft einsetzt.
Was bedeutet es, zum Gewissensgefangenen erklärt zu werden? Gewissensgefangene sitzen im Gefängnis, weil sie ihre Ideen friedlich zum Ausdruck gebracht haben.
Warum ist diese Bezeichnung wichtig? Weil sie Fälle von Ungerechtigkeit sichtbar macht und es uns ermöglicht, ihre sofortige und bedingungslose Freilassung sowie die Anerkennung ihrer Rechte zu fordern.
In El Salvador hat Amnesty Menschenrechtsverteidiger wie Ruth López, Alejandro Hernández und José Ángel Pérez zu Gewissensgefangenen erklärt, die aufgrund ihres Einsatzes für die Menschenrechte zu Unrecht inhaftiert wurden."
https://x.com/AmnistiaOnline/status/1953108823620604301, 06. August 2025
Fordern Sie ihre Freilassung! Teilen Sie diese Information.
https://x.com/AmnistiaOnline/status/1953108836987924628, 06. August 2025

Amnesty International fordert:
Ruth, Alejandro und José Ángel sind zu Unrecht in #ElSalvador inhaftiert.
Sie wurden festgenommen, weil sie ihre Stimme erhoben, Rechte verteidigt und ihre Gemeinden geschützt haben.
Wir sind viele Stimmen, die dasselbe fordern: Freiheit JETZT für die drei politischen Gefangenen!
https://x.com/AmnistiaOnline/status/1953833585812689378, 08. August 2025